Denys Proshayev
A
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. März 2007 | Herald Budweg
Denys Proschajew spielte den Tschaikowsky-Klavierpart mit eher zurückhaltender Noblesse, die Solopassagen in Prokofieffs Konzert jedoch angriffslustig zugespitzt in voller Entfaltung des virtuosen Potentials. Als Sahnehäubchen gestattete er sich danach sogar noch den Kraftakt, das Finale aus Prokofieffs Klaviersonate Nr. 7 B-Dur op. 83 hinzuzufügen. Auch das gelang grandios….
Frankfurter Rundschau, 13. März 2007 | Anette Becker
…Solist war ein weiterer außergewöhnlicher junger Künstler: Denys Proshayev, 1978 im weißrussischen Brest geboren, Erster Preisträger des ARD-Wettbewerbs 2002 und seitdem zunehmend international gefragt, ein brillanter Virtuose, äußerst ausdrucksstark, mit einem ansteckenden Hang zum Impulsiven. So erhielt selbst der sperrige Einzel-Satz des zeitgleich mit Tschaikowskys Pathétique-Sinfonie entstandenen und teils wie eine Sammlung dort ausgemusterter Ideen klingenden Konzerts fiebrigen Glanz….
Frankfurter Neue Presse, 10 März .2007
…Der weißrussische Pianist Denys Proshayev, gerade einmal ein Jahr älter als Solyom, ging die Musik des jungen Prokofjew mit kristallinem Tonfall und einigen leuchtenden Passagen an, während sich das Orchester, transparent musizierend und wohltuend klar artikulierend, durch das rhapsodische Dickicht der doch ziemlich tintendicken Partitur sicher hindurch fand. Und Tschaikowskys einsätzig gebliebenes Klavierkonzert gelang den Interpreten ebenso brillant wie süffig…
PIANO NEWS, November 2006 | Carsten Dürer
CD des Monats

Seit der 1978 im weißrussischen Brest geborene Denys Proshayev 2002 den ARD-Musikwettbewerb gewonnen hat, stehen die Zeichen für seine Karriere gut. Und nun also eine erste wichtige CD. Und was wählt sich dieser noch junge Pianist als Repertoire? Drei Suiten aus den Pièces de Clavecin von Jean-Philippe Rameau. Nicht ganz gewöhnlich. Aber das Können und die Person Denys Proshayevs sind alles andere als gewöhnlich, sind außerordentlich. Und mit Rameau zeigt er zum einen, dass er keine Repertoirebeschränkungen kennt, dass er sich nicht festlegen lässt auf bestimmte Werkkategorien. Und dass er zum anderen interessiert daran ist, zurück zu den Ursprüngen zu gehen, in diesem Falle zu den wichtigsten Ursprüngen der französischen Tasteninstrumentenmusik. Und mag Rameau ein noch so großer Opernkomponist gewesen sein, seine Klavierwerke, die er in den drei Bänden „Pièces de Clavecin“zusammenfasste, war maßgeblich für all die Komponisten, die ihm folgen sollten.
Und Proshayev erkennt sofort, dass Rameau in den zu Suiten zusammengefassten Einzelstücken nicht einfach höfische Tänze stilisierte, sondern dass er sich beständig in harmonischer wie agogischer Art und Weise entwickelte. Und so spielt er die Suite a-moll aus dem ersten Band der „Pièces“ mit einer leichtfingrigen Agogik, versucht nicht, diesen Tänzen zu viel Dramatik aufzupfropfen. Dagegen klingt die Suite e-moll aus dem zweiten Band mit weit mehr Dramatik und deutlicherer Absicht, die harmonischen Gänge zu filtern, die damals wie heute noch – in der richtigen Weise gespielt – spannungsgeladen und in der Stimmführung faszinierend klar sind. Und hier nun blitzt Proshayevs Können voll auf. Hier besinnt er sich auf seine pianistische Größe, die in seinem Alter so selten ist. So lässt er die „Musette en rondeau“ hart aufbrausen, das Abschlussrondo „La Villageoise“ heftig blinzeln.
Er ist sich der Musik und der Affektenanlage immer bewusst, weiß durch einen immensen Farbenreichtum und eine differenzierte Dynamik in kleinem Umfang genau den Nerv der Tänze zu treffen. Und die letzte Suite aus dem dritten Band der „Pièces de clavecin“ von 1728 auf dieser Einspielung wird dann zu einem faszinierenden Beispiel der Art, wie man Cembalomusik auf dem heutigen Flügel interpretieren sollte: Vorsichtiger Einsatz des Pedals, geschickte Rubati, um harmonische Effekte auszudeuten, Melodien lyrisch herausheben, um die vielen Verzierungen nicht um ihrer selbst willen erscheinen zu lassen, die ja vor allem für den schnell abebbenden Klang des Cembalos entworfen wurden.
Denys Proshayev zeigt mit dieser Einspielung, dass er einer der ernstzunehmendsten jungen Pianisten ist, die wir heute auf der Bühne erleben können.
RONDO MAGAZIN, September 2006
…Für den 27-jährigen Proshayev, Sieger des ARD-Wettbewerbs 2002, ist Rameau jedoch offensichtlich eine Herzenssache: Den Freiraum, den die Übertragung dieser Musik vom Cembalo auf den modernen Konzertflügel schafft, nutzt er für eine Menge aparter Klangeffekte: Hinreißend etwa die pianissimo-Delikatesse, mit der er die Echowirkungen von "Les Trois Mains" auskostet, wunderschön getroffen auch der fantasievoll-improvisatorische Gestus im Prélude zur ersten Suite. Proshayev geht die Stücke mit einer skriabinesken Klangkultur an, deren Palette von aquarellhafter Transparenz bis zu einem spritzig-prickelndem Staccato reicht - die hoch gelobte Tharaud-Einspielung wirkt gegen diesen Feuerzauber reichlich hausbacken….